Design Sprints versus Design Thinking

die drei goldenen zutaten von  Design sprints

Was verbirgt sich eigentlich hinter den zwei Worten „Design Sprints“ und woher kommen sie? Welche spezifischen Zutaten machen die „Design Sprints“ so erfolgreich? Und was hat das Ganze mit Design Thinking zu tun? In diesem Artikel werden wir Licht in die Verwandtschaftsverhältnisse bringen.


Das neue Spiel: Der Agilere gewinnt!

Ein kurzer Blick in die Vergangenheit verrät uns, wie drastisch sich die Lebenszeit von Unternehmen in den letzten 100 Jahren verkürzt hat. Eben mal im Sessel zurückgelehnt und schon hat sich die Welt um uns verändert. Neue Unternehmen wurden bereits geboren und die Sieger von heute sind schon wieder verschwunden. Unternehmen, die nicht mithalten können, müssen ernsthaft um ihren Marktanteil bangen.

In diesem Klima der Unsicherheit suchen CEOs und Manager nach neuen Strategien, um die Innovationsfähigkeit und Umsetzungskraft ihrer Mannschaft auf Vordermann zu bringen. Dabei haben sie stets die saftige Karotte vor den Augen, die der digitale Wandel vor ihnen herjagt.

Aber wie schnell können wir laufen? Wie bleiben wir dem Wandel dicht auf den Fersen? Oder müssen wir uns verändern?

Das Zauberwort lautet Agilität – dies ist zumindest in der Theorie bereits in vielen Köpfen gelandet. Nun geht es darum, diese Disziplin der Wendigkeit, der Autonomie und Achtsamkeit zu meistern.

Die Fähigkeit der Achtsamkeit hilft uns, Veränderungen bereits zu bemerken, wenn sie stattfinden.

Autonomie erlaubt es uns, diese Veränderung zu bewerten und unabhängig eine Entscheidung zu treffen.

Sind wir dazu noch wendig, gelingt es uns, auf die Veränderung zu reagieren und unser Vorhaben anzupassen.

Agilität gelingt dann, wenn Menschen durch Achtsamkeit
neue Handlungsoptionen bemerken und auch die Freiheit haben, darauf zu reagieren.

Um den Agilitätsmuskel ihrer Mitarbeiter gezielt zu trainieren, setzen Unternehmen vor allem auf zwei Methoden:

Design Thinking ist der Star aus dem Silicon Valley, wenn es um Ideenfindung, neue Konzepte und Produktinnovation geht. Die Implementierung der Lösungen wird mit Scrum in strukturierten Sprints fortgeführt.

Bei Google hat man sich hiervon inspirieren lassen und die Methodik den eigenen Bedürfnissen angepasst: Jake Knape, Mitarbeiter bei Google, stellte fest, dass Entwickler die Observe-Phase im Design Thinking lieber auslassen. In dieser Phase geht es darum, in direkten Kontakt mit Nutzern zu treten und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Für einen Entwickler ein klarer Schritt aus seiner Komfortzone. Können wir das also nicht lieber auf später verschieben?

Jake stellte außerdem folgenden Bedarf fest:

Es brauchte eine Innovationsmethode, die …

1. innerhalb einer Woche zu neuen Lösungsideen führt.

2. Effektivität, durch ein klares Rollenverständnis verspricht.

3. durch einen klaren Leitfaden einfach skalierbar ist.

Und so kam es: 2016 hat der kleine Bruder von Design Thinking das Licht der Welt erblickt und zahlreiche Fans gewonnen. “Design Sprints” hieß der neue Rockstar!

Was genau ist ein “Design Sprint”?

Ein Design Sprint ist ein festes Workshop-Format für einen fünftägigen Sprint zur Entwicklung neuer Lösungen. Die Basis der Sprints liefert der Design Thinking Prozess, wobei der Schritt “Observe” ausgelassen wird. (https://en.wikipedia.org/wiki/Design_sprint)

Damit bleiben noch 5 Prozessschritte übrig:

 

Montag: Analyse – Ein gemeinsames Verständnis der Zielsetzung und der in dieser Woche zu klärenden Fragen erarbeiten; den Fokus des Sprints setzen
Dienstag: Ideation – Inspirationen sammeln und in einem mehrstufigen Prozess Ideen generieren
Mittwoch: Entscheidung – Die Ideen auswählen, die als Prototyp umgesetzt werden sollen; die Planung für den Prototypen erstellen
Donnerstag: Prototyping – Die Idee möglichst realitätsnah erfahrbar machen
Freitag: Test – Die Lösung mit echten Nutzern testen; das Team wertet die Tests „on the fly“ aus

„Design Sprints“ ist der kleine Bruder von Design Thinking und begeistert die Welt mit fünf strukturierten Workshop-Tagen.

Was macht der kleine Bruder von Design Thinking anders?

Schaut der Fachmann etwas genauer hin, entdeckt er drei Zutaten eines bekannten Erfolgsrezeptes, das bereits die McDonalds Brüder für ihr Burger-Business gebrauchten.

Es sind drei goldene Zutaten, die den Design Sprint so schmackhaft für Unternehmen machen.

1. ein optimiertes Rezept mit Schritt-für-Schritt-Anleitung
2. eine klare Rollenverteilung im Arbeitsprozess
3. Festgelegte Zeitfenster für jeden Schritt

1. Festgelegte Zeitfenster

Der klassische Design Sprint dauert 5 Tage. Dabei steht jeder Tag für eine Phase des Prozesses. Jede Phase wird in Zeitfenster zerlegt und jedes Zeitfenster wird methodisch detailliert angeleitet. Wir nennen das Micro-Timeboxing.

2. Klare Rollenverteilung

Ein Sprint Team besteht aus circa fünf bis sieben Personen, die für die Qualität der Ergebnisse verantwortlich sind. Der Auftraggeber des Sprints trägt die Rolle des Entscheiders und wird in kritischen Entscheidungsphasen dazu geholt. Der Moderator oder Sprint Facilitator hält das Sprint Team in der Spur und achtet auf die Einhaltung des Prozesses. Im Idealfall führt dies zur Dreieinigkeit im Innovationsprozess.

3. Ein optimiertes Rezept

Der klassische Design Sprint dauert 5 Tage. Dabei steht jeder Tag für eine Phase des Prozesses. Jede Phase wird in Zeitfenster zerlegt und jedes Zeitfenster wird methodisch detailliert angeleitet. Wir nennen das Micro-Timeboxing.

Wie viel Design Thinking steckt im Design Sprint?

Um Klarheit auf diese Frage zu finden luden wir zwei Design Sprint Experten zum Meet-up Event der Gruppe “Design Thinking Coaches Berlin” ein.

Die Gäste:

Dee Scarano, Design Sprint Trainer bei der Agentur AJ&Smart
John Vetan, Design Sprint Strategist & Co-founder der Design Sprint Academy

Im interaktiven Format haben wir die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Design Thinking und Design Sprints diskutiert.

Hier sind drei Unterscheidungspunkte:

1. Die Dauer

Design Sprints dauern, je nach Format, zwischen 3,5 bis 5 Tagen. Design Thinking dagegen bedient ein weiteres Spektrum: es reicht von 1-tägigen-Workshop-Formaten bis hin zu Innovationsprojekten, die über mehrere Monate andauern.

2. Das Format
Design Thinking ist in erster Linie ein agiler Prozess und ein Mindset. Die Methoden in den einzelnen Schritten sind vielfältig und flexibel variierbar. Design Sprints sind als definiertes Workshop-Format mit festgelegten Methoden zu verstehen.

3. Der Ausgangspunkt
Im Design Thinking werden User Insights als Ausgangspunkt genutzt, um die Richtung der Lösungssuche zu bestimmen. Qualitativer User Research findet in einem Design Sprint erst am Ende des Prozesses in Form von User Tests statt.

Design Thinking oder lieber Design Sprints?

Das hängt davon ab, wie offen oder geschlossen die Fragestellung an das Team formuliert ist. Bei komplexen Problemen oder strategischen Fragen ist Design Thinking die passende Wahl. Zum Beispiel, wenn sich ein Unternehmen fragt, wie es in Zukunft Mitarbeiter gewinnen und halten kann. Oder wie eine bestimmte Kundengruppe zukünftig bedient werden kann.

Durch den qualitativen Research zu Beginn des Prozesses, gelingt es dem Innovations-Team einen Perspektivenwechsel vorzunehmen und Empathie für die betroffenen Stakeholder zu generieren. Der Elfenbeinturm wird verlassen und neues Wissen wird generiert. Das vorhandene Wissen im Unternehmen wird mit der Welt der Nutzer abgeglichen. So entstehen Ideen, die von neuem Wissen und realen Bedürfnissen inspiriert sind.

Geht es um spitzere Fragen, bei denen der Lösungsraum stärker eingegrenzt ist, lohnt sich ein Design Sprint. Zum Beispiel bei der Verbesserung eines bereits vorhandenen Produkts oder Services.

Letztendlich hat jede Methode und jeder Prozess seine Grenzen und wenn man ihn rigide und starr anwendet, kann man lange auf den Durchbruch warten. Die wahren Erfolgsfaktoren eines Innovationsprojektes sind eben nicht immer kontrollierbar, denn es sind die Menschen auf die es ankommt.

 

 

 

Autorin: Pauline Tonhauser

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